1923 bis 1948
Die ersten sportlichen Betätigungen...
Die erste Erwähnung sportlicher Betätigung in Thanhausen geht zurück auf die Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Die junge Arbeiterschaft von Thanhausen schloss sich im Radfahrerbund „Solidarität“ zusammen. Er tendierte zum sozialdemokratischen Reichsbanner, in Begeisterung zur ersten Demokratie in Deutschland. Im Juni 1923 beging der Verein seine Fahnenenthüllung auf einer eigens errichteten Tribüne oberhalb des damals noch bestehenden Schulgartens. Die kirchliche Weihe sozialdemokratischer Fahnen wurde damals verwehrt. An den Festlichkeiten nahmen auch noch andere Vereine aus der näheren und weiteren Umgebung von Thanhausen teil. Die Fahnenbraut war damals Sophie Mages, den Fahnenjunker hatte man in August Schicker gefunden.
Fußballverein „Vorwärts“...
Ohne eigentliche Vereinsgründung, eher freundschaftlich zusammengeschlossen, bestand seit 1928 der Fußballverein „Vorwärts“. Im Tor stand damals August Schicker, Feldspieler waren Daniel Heldwein, Johann Schwägerl, Christian Hecht, Alois Franz, Simon Mages, Fritz Kispert, Albert Heldwein, Lehrer Albert Prechtl und dessen Schwager Otto Zwanziger. Beide kamen erst im Jahre 1928 nach Thanhausen. Als Fußballplatz wollte man zuerst das Gemeindegrundstück „Bummlwiese“ nutzen. Bauunternehmer Josef Franz aus Hohenthan stellte ihnen Rollwagen und Geleise zur Verfügung, um das Gelände brauchbar zu machen. Doch mit Schaufel und Spitzhacke allein war diese Aufgabe nicht zu bewältigen. Der Versuch, die „Bummlwiese“ bespielbar zu machen, scheiterte kläglich. Zum Training überließ ihnen Fritz Kispert ein Feld, das heutige Hausgrundstück von Bernhard Schwamberger, Karl-von-Korb-Straße. Später durften sie mit Einwilligung von Ludwig Kutzer auf dem Schlossgarten spielen. Ihre Leidenschaft zum Fußballspielen führte sie bereits nach Neustadt, Flossenbürg oder sogar bis nach Eger. In die nähere Umgebung fuhren sie mit dem Rad, nach Flossenbürg marschierte man sogar einmal zu Fuß. Für weitere Fahrten mieteten sie einen Lastwagen, die Kosten mussten sie natürlich selber tragen.
Gründung „Deutsche Jugendkraft“ durch Albert Franz...
1928 kam der in Thanhausen gebürtige Albert Franz vom Dienstort seines Vaters in Wiesau zu seinem Onkel Albert Jäger nach Thanhausen in die Schreinerlehre zurück.
In Wiesau hatte er sich der DJK angeschlossen gehabt. Im gleichen Jahr, als 18-jähriger, gründete er in Thanhausen, wenig später auch in Bärnau, eine Gruppe. Die „Deutsche Jugendkraft“ war die Sportabteilung des katholischen Jungmännervereins mit einem Geistlichen als obligatorischen Vorsitzenden. Da Thanhausen keinen Geistlichen hatte, wurde die Gruppe in Thanhausen als Unterverein von Bärnau mit dessen Kooperator als Präses geführt. Die sportlichen Aktivitäten der DJK waren vielfältiger Art. Leichtathletik, Wandern, Geländespiele, Deutschball und Faustball. Aufgenommen wurden Jugendliche ab dem vierten Schuljahr. Nach kurzer Zeit hatte man bereits an die 40 Mitglieder. Darunter auch eine Gruppe von acht Jungen aus Hohenthan. Zu ihnen gehörten unter anderem Hans und Albert Schuller sowie Johann Franz. Auch die DJK versuchte sich mit dem gleichen Misserfolg an der „Bummlwiese“. Die Arbeiten mussten ausnahmslos in der knappen Freizeit in den Abendstunden geleistet werden. Keine Unterstützung fanden die Jugendlichen bei Älteren. Die zeigten keinerlei Interesse, für sie zählte nur die Arbeit. Versammlungen mussten die DJK´ler in einem Raum rechts neben der Gebäudedurchfahrt bei Ludwig Kutzer abhalten.
Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933-1945...
Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde 1933 alles anders. Was nicht auf der Linie der Partei lag, insbesondere sozialdemokratische Vereinigungen wurden sofort verboten. Die DJK konnte sich noch einige Zeit aufrechterhalten – doch der Zwang HJ und JV brachte auch ihr den Zerfall. Von nun an war die Jugend in der Hitlerjugend, im Jungvolk und im Bund Deutscher Mädel (BDM) straff organisiert.
Nach dem 2. Weltkrieg...
Der Krieg hinterließ schmerzliche Lücken – auch in der Thanhausener Jugend. Viele der jungen DJK Mitglieder waren gefallen oder als vermisst gemeldet. Die wenigen, die diesen sinnlosen Krieg heil überstanden, fanden sich gereift in harten Jahren zurück.
Im September 1945 wurde der seit März unterbrochene Schulbetrieb von Lehrer Alois Bill wieder aufgenommen.
Erste fußballerische Versuche scheitern...
Die altersmäßig gerade noch vom Krieg verschont gebliebenen jungen Burschen begannen 1946 erneut einen Fußballplatz herzurichten – wiederum auf der „Bummlwiese“. Aber das Vorhaben scheiterte, ebenso wie die Jahre zuvor, an der ungünstigen Beschaffenheit des Geländes. So gab man schließlich dieses ausweglose Vorhaben auf und gründete stattdessen einen Trachtenverein mit dem Namen „Werdenfels“ nach dem Vorbild eines Vereins mit dem gleichen Namen in Tirschenreuth. Den Verein leitete Heinrich Meyer.
Lehrer Alois Bill war mit Leib und Seele Musiker und trat gern in den Dienst des Vereins als Theaterleiter und Dirigent. Theateraufführungen fanden ausnahmslos im kleinen Saal im Obergeschoss des Gasthofes Fischer statt. 1948 musste Alois Bill Nach den Bestimmungen des Entnazifizierungsgesetzes den Schuldienst vorübergehend verlassen.